Die Trächtigkeit ist immer etwas ganz Besonderes:
Erst das Warten auf die Läufigkeit; die Deckzeitbestimmung mit dem Warten auf den richtigen Deckzeitpunkt; die Fahrt zu dem schon lange im Voraus, mit größter Sorgfalt und Überlegung, festgelegten Deckrüden in der Hoffnung, dass es dann auch zu einem Deckakt und einer gelungenen Befruchtung kommt; hoffen, das die Trächtigkeit gut verläuft; dann hoffen, dass es eine unkomplizierte Geburt wird und Mama & Babies alles gut überstehen. (Züchten besteht zum größten Teil aus „Hoffen und Warten“ und natürlich unendlich viel „Freude“). Ich genieße die Zeit der Trächtigkeit ganz besonders, das schon sehr enge Band zwischen mir und den Mädels wird im Laufe der Trächtigkeit noch enger. Und dann endlich: Das neugeborene Leben in den Händen zu halten („von der Hand in die Welt“), es ist einfach unbeschreiblich.
Woche 1
Decktage; Sperma wandert und erreicht die Eileiter; Befruchtung der Eizellen, diese wandern in den Gebärmutterhals. Anjali schläft viel, ist noch anhänglicher als vorher. Während der gesamten Trächtigkeit erfolgt eine tägliche Kontrolle der Zitzen und Scham.
Woche 2
Die Eizellen entwickeln sich zu Blastocyten; die Embryos erreichen die Gebärmutter. Anjali ist etwas ruhiger und anhänglicher als vor dem Deckakt, ansonsten keinerlei Wesensveränderung, sie frisst nach wie vor immer noch mit Genuss.
Woche 3
Anjali hat das Fressen aufgrund der hormonellen Umstellung und eventueller Spannungen in der Gebärmutter mit morgendlicher Übelkeit fast komplett eingestellt. Ich biete ihr mehrmals am Tag kleine Portionen (ganz besonders leckere Dinge) an, die sie dann ab und an zu sich nimmt. Da sie einen zähflüssigen klaren Schleim absondert bin ich fest davon überzeugt, dass sie tragend ist. Unsere Spaziergänge fallen jetzt „gemächlicher“ aus, sie schläft viel, ist ganz besonders auf „mich fixiert“, hat extremen Kuschelbedarf. Von ihrer Tochter sondert sie sich immer mehr ab (instinktsicheres Verhalten), das „Miteinandertoben“ , leider sehr zum Nachteil von Shayleen, findet nur noch in kurzen Einheiten statt.
Woche 4
Am 22. Trächtigkeitstag sind die Embryonen sichtbar, der Herzschlag kann zur Diagnose der Trächtigkeit herangezogen werden. Die Augen und Nervenstränge im Rückenmark werden gebildet, die Organbildung beginnt; die Embryonen sind etwa wallnussgroß und gleichmäßig im Uterus verteilt; die Entwicklung der Zitzen beginnt. Anstrengende Aktivitäten vermeide ich, trotzdem begleitet sie mich nach wie vor auf unseren, mittlerweile etwas kürzeren, Spaziergängen (Plätze mit vielen Hunden/großer Keimbelastung, öffentliche Veranstaltungen werden vermieden). Anjali ist sichtlich ruhiger geworden, hat mittlerweile wieder einen guten Appetit. Agility und Laufen am Rad sowie lange Autofahrten fallen für die nächsten Wochen nun aus.
Woche 5
Wir waren zum Ultraschall (aufgrund unseres DK-Urlaubs etwas verspätet) eigentlich wusste ich es auch schon vorher, und es hat bestätigt, dass wir kleine „Maikäferchen“ erwarten. Ich freue mich sooooooo sehr und kann es kaum abwarten die Welpen in den Händen zu halten.
Anjali ihre Schlafposition hat sich verändert, sie zieht die Beine nicht mehr an, da das Gewicht der Welpen ansteigt/sie sich drehen. Zehen, Barthaare und Krallen beginnen sich zu entwickeln. Die Ausbildung der Organe ist abgeschlossen. Die Föten sehen nun aus wie Hunde, Kopf u. Rumpf sind unterscheidbar, Fellfarbe beginnt sich zu entwickeln. Anjalis Zitzen werden zusehends dunkler und schwellen an. Sie schläft viel, hat einen guten Appetit, ist extrem anhänglich, möchte mit Shayleen momentan nicht viel zu tun haben. Man sieht ihr die Trächtigkeit schon sehr an, der Bauchumpfang hat sichtlich zugenommen, ihr Ausdruck ist noch „weicher“ geworden. Mittlerweile habe ich die Futterportionen auf mehrere aufgeteilt.
Woche 6
Unsere Spaziergänge werden deutlich langsamer und kürzer, jedoch ist eine grundlegende Kondition für die bevorstehende Geburt sehr wichtig; der Einstieg ins Auto erfolgt nur noch über die Rampe (was Anjali so gar nicht passt ;-). Sie wird zusehend „hecheliger“, scharrt vermehrt in ihren Decken. Sie zeigt Shayleen deutlich, dass sie ihre Ruhe haben möchte, diese wiederum versteht das Verhalten nun so gar nicht und ist teilweise sehr beeindruckt und eingeschüchtert. Ich fange an die ersten Vorkehrungen für die bevorstehende Geburt vorzunehmen. Anjali genießt es den Bauch gestreichelt zu bekommen, diese kleinen „Kügelchen“ zu spüren ist einfach nicht in Worte zu fassen.
Woche 7
In der 7. Trächtigkeitswoche beginnt das Skelett der Welpen zu verkalken. Kontakt zu anderen Hunden wird vermieden, rauhe Spiele und Springen werden möglichst unterbunden. Heute habe ich nochmals ein Foto gemacht in „vollem Haarkleid“, ich werde heute erstmals anfangen die Hosen und das Gesäuge weiter freizuschneiden (dieses mache ich zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen damit die Welpen sich nicht strangulieren und um ihnen den Zugang zu den Zitzen zu erleichtern). Das Schneiden des Fells ist für mich immer ein sehr emotionaler Schritt: denn die Schönheit „im Sinne des Betrachters“ geht mit der Welpenzeit schon etwas verloren ;-) und es wird bewusst, dass sich der Tag der Geburt nähert.
Anjali wird durch die zunehmenden Bewegungen und der Enge im Bauch unruhiger (nun sind auch bereits Welpenbewegungen, bei einer entspannten Hündin, wenn man vorsichtig die Hand auflegt, zu fühlen – ein sehr spannender Augenblick); sie hat nach wie vor einen guten Appetit und ist extrem anhänglich. Mittlerweile habe ich das Welpenzimmer vollständig hergerichtet, sämtliche Decken und was alles so dazu gehört nochmals gewaschen (die Waschmaschine und der Trockner mussten schon jetzt ganze Arbeit leisten :-)
Woche 8
Ab dem 52. Tag ist die vollständige Körperbehaarung der Welpen vorhanden. Einige Organe, z.B. die Lunge, sind bei der Geburt aber noch nicht vollständig entwickelt, die Augenlider und Gehörgänge sind noch geschlossen. Alle äußerlich erkennbaren Veränderungen in ihrer Anatomie und Verhalten (Hecheln, Scharrzwang, Anschwellen des Gesäuges, der Vulva,…) sind hormonellbedingt. Mittlerweile haben wir Ende der 8. Woche erreicht, man kann die Bewegungen der Welpen deutlich erkennen; Anjali wird zusehends unruhiger; meine nächtliche Ruhe ist mittlerweile mindestens einmal unterbrochen, da sie dann nach draußen muss um sich zu leeren. Allmählich steigt die Spannung auf die erwartete Geburt.
Woche 9
Wir befinden uns im Endspurt, der Tag der Geburt nähert sich zusehends. Das Gangbild hat sich schon deutlich verändert, durch die hormonelle Umstellung werden die Bänder, Sehnen weicher; der Bauch sinkt zunehmends ab (die Welpen wandern so allmählich Richtung Ausgang). Mehrfach am Tag messe ich die Temperatur (ein deutlicher Temperaturabfall, dann Wiederanstieg sind deutliche Zeichen für die anstehende Geburt; für meine Hündinnen ist das Temperaturmessen kein Stress). 16.05.19: Mittlerweile haben wir den 63. Tag (nach 1. Decktag) erreicht: Die letzte Nacht war sehr unruhig, mehrfaches in den Gartengehen, starkes Hechel, Nestbau, Futterverweigerung. Ich hoffe es handelt sich jetzt nur noch um Stunden bis die Welpen das Licht der Welt erblicken und ich das Glück der Natur in den Händen halten darf. Dieses „Warten“ ist schon sehr nervenaufreibend. Jetzt heißt es allseits: Daumendrücken für eine reibungslose Geburt!!!!! 64. Tag: Ich habe eine sehr anstrengende Nacht ohne Schlaf mit fast 50%igem Aufenthalt im Garten hinter mir. Die Eröffnungsphase war schon sehr anstrengend. Im Laufe des frühen Vormittags hat Anjali mir dann 6 wunderschöne, in einer Rekordzeit und absolut instinktsicher von noch nicht einmal einer Stunde, Welpen geschenkt. Mutter und Welpen haben die Geburt gut überstanden, sie betreut ihre Kinder sehr sehr liebevoll. Nun heißt es wieder: Daumendrücken, dass die Aufzucht für Mutter und Welpen komplikationslos verläuft. Die ersten 10 Lebenstage sind immer die kritischsten, wo es immer zu unvorhersehbaren Komplikationen kommen kann. Ich bin soooo glücklich/dankbar und brauche erst einmal eine ordentliche Mütze Schlaf.